Martin Rosswog (1950)

Seit den 1980er-Jahren arbeitet Martin Rosswog an einem photographischen Langzeitprojekt, das mit großem, persönlichem Einsatz in vielen Ländern und Regionen Europas entstanden ist. Im Fokus steht dabei eine detailgenaue Beschreibung von ländlichen Wohn- und Lebensräumen. Diese hat der Photograph in eher kleinen Orten jenseits touristischer Wege aufgesucht. Meist ist er mehrfach dorthin gereist und hat ausgewählte Häuser und Gehöfte in Bildreihen dokumentiert. Zu jeder dieser Reihen gehören ein Portrait der Bewohner, Außenansichten des Hauses und des Grundstücks, und schließlich die methodische Ablichtung der Wohnräume, mit näher betrachteten Einrichtungsstücken und Stillleben.

Martin Rosswog: aus der Bildreihe "Maria Kiszler (Donauschwäbin), Cikó, Ungarn", April 2003 © Martin Rosswog, VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Geographisch hat sich Rosswog vom östlichen bis an den westlichen Rand Europas bewegt und in Ländern wie Russland, Finnland, Ukraine, Rumänien, Ungarn und Bulgarien photographiert; auch führte ihn sein Weg nach Irland und Schottland, Spanien und Portugal. Martin Rosswog hält solche Haus- und Wirtschaftsbauten im Bild fest, die noch nicht gänzlich von modernen Einflüssen vereinnahmt wurden und in denen teilweise noch die jahrhundertelange, bis in vorindustrielle Zeiten reichende Nutzung sichtbar ist. Sein Interesse zielt auf die einfache Gebrauchsarchitektur, im Englischen als vernacular bezeichnet, die sich zweckgebunden und aus den zur Verfügung stehenden Mitteln gebildet hat. Daran orientieren sich auch seine bildästhetischen Entscheidungen, die historisch Gewachsenes wie jüngere Zeichen der Zeit einbeziehen, gelegentlich sogar in einen Vergleich stellen. Einer nostalgisch-verklärenden Blickrichtung folgt er nicht, sein Vorgehen ist systematisch, seine Bildsprache sachlich-beschreibend. Als Absolvent der Kunstakademie Düsseldorf in der Klasse von Professor Bernd Becher (Abschluss 1987 als Meisterschüler) liegt seine künstlerische Herkunft im Konzeptuell-Dokumentarischen. Die Arbeit in Bildgruppen und das Anliegen des vergleichenden Sehens bewähren sich als durchgängiges Werkprinzip. Der Umfang der einzelnen Bildgruppen ist jedoch unterschiedlich, und auch die verschiedenen Motive sind nur bedingt einheitlich umgesetzt. So finden sich in seinen Sequenzen sowohl schwarzweiße als auch farbige Bilder.

Werke aus der Sammlung

Biographie

1950geboren in Bergisch Gladbach
 Studium an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf, Studiengang freie Kunst, Meisterschüler von Prof. Bernd Becher, seit 1988 als Photograph und Buchautor tätig.
2005Rheinisches Landesmuseum, Bonn
2006Museum Brukenthal, Sibiu, Rumänien
2009Ostslowakische Galerie, Kosice
2015Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur, Köln

Publikationen

  • Rückblende – Befragung einer Generation, Köln: DuMont, 1985
  • Menschenbilder. Portraitfotografie von Martin Rosswog, Text Barbara Maria Kloos, Köln: DuMont, 1989
  • Asylbilder. Fotografien von Martin Rosswog, Essays Klaus Honnef, Raimund Hoghe, Köln: DuMont, 1996
  • Ländliche Innenräume. Photographien von Martin Rosswog, München, Paris, London: Schirmer/Mosel, 1996
  • Martin Rosswog. Inside Houses, Text Andreas Graf, Köln: Könemann, 2001
  • Martin Rosswog: Schultenhöfe, Text Jan Carstensen, München: Schirmer/Mosel, 2005
  • Martin Rosswog, Ulla Lachauer: Menschen an der Memel, Text Ulla Lachauer, Photographie und Tagebuchtexte Martin Rosswog, Heidelberg: Edition Braus, 2007
  • Milton, South Uist, Scotland, Texte Fr Michael J. MacDonald, Claudia Schubert, München: Schirmer/Mosel, 2015
  • Kolchoz und Bauernhof: Ländliches Leben und Arbeiten in Europa, LVR-Freilichtmuseum Kommern, 2017

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