Öffentliche Führung mit thematischem Schwerpunkt: Spuren der Vergangenheit

Sonntag, 05.07.2026, 15:00 Uhr

Kathrin Esser: Wald 05, 2022, aus der Serie Weiße Wehe, seit 2022, © Katrin Esser

Spuren verweisen stets auf Vergangenes, einen zeitlich und räumlich nicht mehr vorhandenen Ursprung. Die Entzifferung von Spuren und die Suche nach ihrem Ursprung zieht sich durch die Geschichte der Menschheit. Ihren Eingang in die Kunstgeschichte fand die Spurensuche nach dem Historiker Carlo Ginzburg im 19. Jahrhundert. In seinem Essay „Spurensicherung“ aus dem Jahre 1979, vergleicht er die Arbeitsmethode des Kunsthistorikers Giovanni Morelli mit der des Meisterdetektivs Sherlock Holmes und deren Rezeption in der Psychoanalyse von Sigmund Freud. Allen gemein ist nach Ginzburg: Je feiner und subtiler die Spuren, um so größer der Offenbarungswert durch die Enträtselung der unbewussten, ansonsten unerreichbaren Realität. 

Anhand ausgewählter Werkreihen in der Ausstellung lässt sich Photographie als Medium der Spurensuche und -sicherung nachvollziehen. Katrin Essers und Paul Avis Vorgehen ähnelt dem des Detektivs, der anhand materieller Hinterlassenschaften versucht, die Vergangenheit eines Ortes zu rekonstruieren. Boris Becker und Frank Dömer agieren auf der psychologischen Ebene, indem sie die Bedeutung individueller wie kollektiver Erinnerungen infrage stellen. In Emine Ercihans und Melina Lehmachers Arbeiten bilden die subtilen Zeichen der Wohnräume die Kulisse der Suche nach Heimat und dem eigenen Platz in der modernen Welt. Der Kreis schließt sich, wenn wir als Betrachtende mit unseren eigenen Erfahrungen auf Spurensuche in den Bildergebnissen gehen.

mit Luzie Ronkholz, Kunsthistorikerin

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